1. zur Suche
  2. zur Hauptnavigation
  3. zum Inhalt
  4. zum Bereichsmenü
Blick in den Plenarsaal und hauptsächlich die Flaggen für Deutschland, Berlin und Europa
Nach unten

Gedenkworte der Präsidentin des Abgeordnetenhauses von Berlin, Cornelia Seibeld, für den verstorbenen ehemaligen Abgeordneten Prof. Dr. Klaus Finkelnburg

04.06.2026 10:00, Abgeordnetenhaus, Plenarsaal

Mit großem Bedauern haben wir vom Tod unseres ehemaligen Kollegen Klaus Finkelnburg erfahren. Er verstarb am 30. Mai im Alter von 91 Jahren. Zwei seiner Kinder sind heute hier anwesend. Sehr geehrter Herr Dr. Moritz Finkelnburg und Herr Antonin Finkelnburg, ich möchte Ihnen im Namen des ganzen Hauses mein Beileid zum Tod Ihres Vaters zum Ausdruck bringen.

Die Entscheidung von Klaus Finkelnburg, als junger Mensch kurz nach dem Mauerbau 1961 in den Westteil der Stadt überzusiedeln, verweist auf zwei für sein Leben grundlegende Überzeugungen. Zum einen bot sich ihm die Chance, an der Freien Universität seine juristischen Studien mit einer Promotion fortzusetzen, zum anderen wollte er ein Zeichen setzen, gerade in der Bedrängnis durch die SED-Diktatur den West-Berlinern beizustehen.

Klaus Finkelnburg hat unsere Stadt zu seiner Heimat gemacht. Er liebte seinen Beruf als Rechtsanwalt und gründete eine eigene Kanzlei. Als Honorarprofessor mit dem Fachgebiet Verfassungs- und Verwaltungsrecht unterrichtete er fast 40 Jahre an der Freien Universität. Außerdem war er in den ständischen Berufsorganisationen wie beispielsweise im Anwaltsverein und auch im Justizprüfungsamt aktiv. Der Anwalt seiner Mandanten zu sein, fand seine Entsprechung in seinem politischen Engagement für seine Mitbürgerinnen und Mitbürger. Seit 1963 war er Mitglied der CDU in Charlottenburg, in der er sowohl als Vorsitzender eines Ortsverbandes wie auch als Mitglied des Kreisvorstandes Verantwortung übernahm.

1985 zog er als direkt gewählter Abgeordneter in das Abgeordnetenhaus ein und wurde Vorsitzender des Ausschusses für Verkehr und Betriebe. Im Parlament knüpfte er bis 1992 an seine beruflichen Kompetenzen und Kenntnisse an, indem er schwerpunktmäßig im Ausschuss für Inneres, Sicherheit und Ordnung sowie im Rechtsausschuss tätig war. In der Zeit nach dem Mauerfall und konfrontiert mit der riesigen Herausforderung, für das wiedervereinigte Berlin eine gemeinsame Rechtsordnung herzustellen, nahm er die Aufgabe mit großer Begeisterung an. Dabei war es ihm wichtig, über Partei- und Fraktionsgrenzen hinaus die notwendigen Absprachen für eine dauerhafte Rechtsordnung in Berlin herbeizuführen. Geradezu legendär war die sogenannte „FKK-Gruppe“, der neben ihm auch die Parlamentarier Renate Künast und Ehrhart Körting angehörten.

Bei aller Begeisterung über die Gestaltungsmöglichkeiten als Gesetzgeber in einer spannenden Umbruchszeit, Klaus Finkelnburg wusste auch um die Notwendigkeit, dem Recht zur Durchsetzung zu verhelfen. Und so stellte er sich im Jahr 1992 als erster Präsident des Verfassungsgerichtshofes zur Verfügung. Er hat dieses Amt bis zum Jahr 2000 wie alle Berliner Verfassungsrichterinnen und -richter ehrenamtlich ausgeübt. Er hat die Ausübung dieses Amtes und die Prägekraft auf den Verfassungsgerichtshof als Höhepunkt seines juristischen Wirkens empfunden. Es ist auch ihm zu verdanken, dass der Verfassungsgerichtshof zu einer anerkannten zentralen Säule der Verfassungsordnung unserer Stadt geworden ist.

Klaus Finkelnburg engagierte sich aktiv für das Gemeinwesen und die Gesellschaft. Neben seinem Beruf und der politischen Arbeit war er in sehr vielen Vereinigungen und Vereinen der Zivilgesellschaft oft in verantwortlicher Position tätig. Beispielhaft möchte ich nur den Vorsitz im Verein für die Geschichte Berlins erwähnen. In Anerkennung seiner Verdienste für unsere Stadt wurde ihm 2008 die Würde eines Stadtältesten verliehen. Bereits im Jahr 2000 war er mit dem Großen Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet worden.

Wir werden Klaus Finkelnburg ein ehrendes Andenken bewahren und trauern gemeinsam mit seiner Familie sowie seinen Freunden.