Gedenkworte der Präsidentin des Abgeordnetenhauses von Berlin, Cornelia Seibeld, für den verstorbenen ehemaligen Abgeordneten Sigurd Hauff
04.06.2026 10:00, Abgeordnetenhaus, Plenarsaal
Wir trauern um unseren ehemaligen Kollegen und Bezirksbürgermeister Sigurd Hauff. Sigurd Hauff studierte Geschichte, Germanistik und Anglistik in Tübingen und den USA. Nach einem Abschluss als „Bachelor of Arts“ setzte er in Berlin sein Studium für das Lehramt an der Freien Universität fort. 1963 schloss er das Erste Staatsexamen und 1966 das Zweite Staatsexamen erfolgreich ab. Im Anschluss nahm er schnell die Karriereschritte zum Studiendirektor und stellvertretenden Schulleiter. Als überzeugter Pädagoge und Lehrer veröffentlichte er mehrere Fachbücher.
Seit 1958 und dem Wechsel nach Berlin engagierte sich Sigurd Hauff in der SPD. Er fand seine politische Heimat in der SPD Kreuzberg. Er war unter anderem Kreisvorsitzender der Jungsozialisten, Abteilungsvorsitzender und Mitglied des Kreisvorstandes.
Von 1967 bis 1971 war er für die SPD Bezirksverordneter in Kreuzberg. Er gehörte zum Fraktionsvorstand der SPD in der BVV und vertrat die Fraktion im Ältestenrat sowie im Haushalts- und Personalausschuss.
1971 kandidierte Sigurd Hauff für das Abgeordnetenhaus von Berlin und zog als direkt gewählter Abgeordneter seines Wahlkreises in Kreuzberg wie noch zwei weitere Male in das Parlament ein. Dort wurde er schnell zu einer tragenden Säule der Arbeit der SPD-Fraktion. Ab 1973 war er Mitglied des Fraktionsvorstandes sowie Vorsitzender des Arbeitskreises Städtebau und Planung und des Arbeitskreises Kulturpolitik. Entsprechend seiner fachlichen Schwerpunkte war er Mitglied in den Ausschüssen für Schulpolitik und Kulturelle Angelegenheiten. Dort agierte er auch als der jeweilige fachpolitische Sprecher seiner Fraktion. In der 7. Wahlperiode amtierte Sigurd Hauff auch als Vorsitzender des Ausschusses für Schulwesen und Mitglied im Ausschuss für Planung und Stadtentwicklung.
Mit seiner reichhaltigen beruflichen Erfahrung und seinen Kenntnissen aus der parlamentarischen Arbeit zog es ihn in die direkte administrative Verantwortung. 1981 übernahm er das Amt des – wie es damals hieß – Volksbildungsstadtrats im Bezirk Spandau. Nach über 10 Jahren erfolgreichem Einsatz für die kulturellen und historischen Schätze Spandaus beförderte ihn das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger für die Zeit von 1992 bis 1995 in das Amt des Bezirksbürgermeisters von Spandau. Da Spandau bis 1994 die Garnisonsstadt der in Berlin stationierten britischen Streitkräfte war, erhielt er 1993 von Königin Elisabeth II. den Titel „Officer of the Order of the British Empire“.
Darüber hinaus engagierte sich Sigurd Hauff in zahlreichen Ehrenämtern. So setzte er sich insbesondere für die Pflege der Städtepartnerschaft zwischen Berlin und Prag und die Beziehungen zu den Staaten Mittel- und Osteuropas ein. Auch seiner Zeit im Abgeordnetenhaus blieb er dankbar verbunden und engagierte sich sechzehn Jahre lang als Beisitzer im Vorstand der Parlamentarischen Vereinigung.
Sigurd Hauff war ein allseits geschätzter, freundlicher und verbindlicher Kollege. Wir sind vereint in der Trauer mit seinen Angehörigen und allen, die ihm nahe standen. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren.