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Blick in den Plenarsaal und hauptsächlich die Flaggen für Deutschland, Berlin und Europa
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Grußwort der Präsidentin des Abgeordnetenhauses von Berlin, Cornelia Seibeld, anlässlich der Preisverleihung des Wettbewerbs "Respekt gewinnt"

18.05.2026 16:00, Abgeordnetenhaus, Festsaal

Ich freue mich sehr, Sie heute hier im Abgeordnetenhaus von Berlin zur Preisverleihung von „Respekt gewinnt“ begrüßen zu dürfen.

Dass diese Veranstaltung in unserem Parlament stattfindet, ist alles andere als selbstverständlich – und zugleich sehr passend. Denn Demokratie lebt nicht allein von Wahlen, Gesetzen und Debatten. Sie lebt vor allem von den Menschen, die Verantwortung übernehmen, die sich einmischen, die Haltung zeigen und die nicht wegsehen, wenn andere Unterstützung brauchen.

Genau dieses Engagement zeichnen wir heute aus.

Hier im Abgeordnetenhaus wird Demokratie jeden Tag gelebt: Es wird gestritten, diskutiert und entschieden. Aber Demokratie erschöpft sich nicht in parlamentarischen Verfahren. Sie beginnt dort, wo Menschen einander mit Respekt begegnen. Wo Unterschiede nicht als Bedrohung verstanden werden, sondern als Teil einer offenen Gesellschaft. Demokratie ist, wenn Menschen bereit sind, Zeit, Kraft und Ideen für andere einzubringen.

Gerade in einer Zeit, in der rassistische oder antisemitische Gewalt, menschenverachtende Hetze und die Diffamierung demokratischer Verfahren wieder laut geworden sind, ist dieses Engagement von unschätzbarem Wert.

Der Berliner Ratschlag für Demokratie macht dieses Engagement sichtbar und setzt so ein deutliches Zeichen für Toleranz und Weltoffenheit. Seit 2008 würdigt und unterstützt er Menschen und Initiativen, die sich für ein respektvolles Zusammenleben in unserer Stadt einsetzen.

Mit „Respekt gewinnt“ werden nicht nur Preise vergeben. Es wird Aufmerksamkeit geschaffen – für Menschen, die unsere Stadt oft leise, aber nachhaltig besser machen. Der Wettbewerb erinnert uns daran, dass Demokratie nicht abstrakt ist und sich ganz konkret im Alltag zeigt – im Kiez, in Schulen, in Vereinen, in Bibliotheken oder auf Sportplätzen.

Hier zählt jede Idee, jeder Beitrag und jede Initiative, die unsere Stadt menschlicher und offener machenn. Das Spektrum der diesjährigen Bewerbungen zeigt eindrucksvoll, wie vielfältig das Engagement in Berlin ist. Insgesamt haben sich 67 Projekte beteiligt – aus ganz unterschiedlichen Bereichen und Kiezen unserer Stadt.

Da geht es um Nachbarschaft und Begegnung, um Erinnerungskultur, Bildungsarbeit, Teilhabe oder den Einsatz gegen Diskriminierung und Extremismus.

Beeindruckt hat mich zum Beispiel das Projekt „Lebendige Bibliothek“. Dort werden Menschen zu „lebenden Büchern“ und sprechen offen über ihre Erfahrungen mit Ausgrenzung oder Diskriminierung. Das schafft Begegnung und Verständnis – und genau darin liegt ein Kern demokratischer Kultur: miteinander ins Gespräch zu kommen, zuzuhören und andere Perspektiven auszuhalten.

Ein anderes Projekt führt durch das jüdische Scheunenviertel Berlins. Schülerinnen und Schüler der Ernst-Reuter-Schule haben einen Audioguide entwickelt, der jüdisches Leben und jüdische Geschichte in unserer Stadt sichtbar macht. Vor allem in Berlin ist das ein wichtiges und ermutigendes Zeichen gegen Antisemitismus und gegen das Vergessen.

Oder das Projekt „Schulweg putzen“ der AG Diversity des Melanchthon-Gymnasiums. Schülerinnen und Schüler entfernen dort rechtsextreme Propaganda auf ihren Schulwegen und setzen damit ein sehr klares Zeichen gegen Hass und Menschenfeindlichkeit – direkt vor ihrer eigenen Haustür.

Und auch das Netzwerk für Respekt, Toleranz, Vielfalt Berlin-Blankenburg schafft mit niedrigschwelligen Angeboten wie Plauderbänken oder Nachbarschaftspicknicks Räume für Begegnung und stärkt den Zusammenhalt vor Ort. Initiativen wie diese zeigen, wie Demokratie im Alltag entsteht: durch Zuhören, Mitmachen und gemeinsames Engagement.

Diese Projekte unterscheiden sich in ihrer Form. Aber sie verbindet etwas Entscheidendes: Sie alle stärken den Zusammenhalt in unserer Stadt. Sie zeigen, dass Demokratie mehr ist als ein politisches System. Demokratie ist eine Haltung. Und diese Haltung entsteht nicht von allein. Sie braucht Menschen, die sie jeden Tag mit Leben füllen. Berlin wäre ohne diese Menschen eine andere Stadt.

Demokratie lebt vom Wissen, dass jede und jeder Einzelne etwas bewirken kann. Deshalb ist es wichtig, dass dieses Engagement auch gesehen wird. Dass die Menschen, die sich oft ehrenamtlich und neben Beruf, Familie oder Ausbildung einsetzen, Anerkennung und Öffentlichkeit bekommen. Schließlich leisten sie einen erheblichen Beitrag für die Stabilität unserer Demokratie.

Die heutigen Preisträgerinnen und Preisträger zeigen uns: Respekt ist keine abstrakte Forderung. Respekt zeigt sich im Handeln.

Und vielleicht ist genau das die wichtigste Botschaft des heutigen Tages: Demokratie braucht Beteiligung. Sie braucht Menschen, die nicht nur fragen, was andere tun sollten, sondern selbst anfangen.

Ich danke Ihnen sehr herzlich – für Ihren Mut, Ihre Ideen und Ihre Beharrlichkeit. Und dafür, dass Sie zeigen: Respekt gewinnt tatsächlich.

Vielen Dank.