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Blick in den Plenarsaal und hauptsächlich die Flaggen für Deutschland, Berlin und Europa
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Grußwort der Präsidentin des Abgeordnetenhauses von Berlin, Cornelia Seibeld, anlässlich des 30-jährigen Jubiläums der U18-Wahlen sowie Kick-Off der U16-Wahlen 2026

20.04.2026 09:00, Abgeordnetenhaus, Festsaal

Politik lebt von den Menschen, die sich an ihr beteiligen. Und genau deshalb freue ich mich ganz besonders, heute so viele Schülerinnen und Schüler hier zu sehen.

Demokratie funktioniert nur, wenn Menschen mitmachen – und zwar nicht irgendwann, sondern jetzt! Mit den U16- und U18-Wahlen erhalten junge Menschen frühzeitig einen Einblick in politische Mitbestimmung.

Das Abgeordnetenhaus von Berlin ist für diese Auftaktveranstaltung genau der richtige Ort. Hier lässt sich das Ergebnis jeder Wahl in Berlin direkt ablesen: Im Plenum sitzen die gewählten Volksvertreterinnen und Volksvertreter, die den Auftrag haben, Politik für unsere Stadt zu machen.

Heute gibt es aber auch noch etwas zu feiern – ein Jubiläum: Wir feiern 30 Jahre U18-Wahlen. Drei Jahrzehnte, in denen junge Menschen gezeigt haben:

Wir wollen mitreden.

Wir wollen verstehen.

Und wir wollen gestalten.

Gleichzeitig starten wir das U16-Wahljahr in Berlin. Als Schirmpatin ist es mir eine große Ehre, es heute offiziell zu eröffnen.

Am 11. September 2026 findet die U16-Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus statt. Damit beginnt jetzt die heiße Phase: In Klassenzimmern, Jugendclubs und Projekten in der ganzen Stadt setzen sich Kinder und Jugendliche mit politischen Themen auseinander. Dort wird diskutiert, gestritten und hinterfragt. Dort entstehen Meinungen. Und genau das ist Demokratie.

Dabei ist die U16-Wahl weit mehr als nur eine Stimmabgabe. Sie ist ein Bildungs- und Beteiligungsprojekt, das von Anfang an stark von jungen Menschen selbst getragen wurde. Kinder und Jugendliche organisieren Veranstaltungen, entwickeln eigene Fragen an die Politik und setzen sich aktiv mit den Themen auseinander, die sie bewegen.

Ziel ist es, junge Menschen für demokratische Werte, gesellschaftliche Verantwortung und politische Mitgestaltung zu sensibilisieren. Und wie ginge das besser, als sie selbst mitentscheiden zu lassen?

Mit der Einrichtung eines U16- oder U18-Wahllokals wird Politik plötzlich konkret. Programme werden gelesen, Positionen verglichen, Argumente abgewogen. Das ist für die angehenden Wählerinnen und Wähler ebenso wie für die betreuenden Fachkräfte manchmal anstrengend – aber genau darin liegt der Wert.

Fragen sind dabei ausdrücklich erwünscht. Sie helfen, eigene Prioritäten und Interessen zu erkennen – eine wichtige Grundlage für eine selbstbestimmte Meinungsbildung und eine bewusste Wahlentscheidung.

Mit den U16- und U18-Wahlen stellen wir die Weichen für die Demokratinnen und Demokraten von morgen. Aus Neugier entsteht im besten Fall anhaltendes Interesse – und daraus der Wunsch, sich einzubringen.

Denn wenn uns etwas persönlich betrifft, wollen wir mitreden. Unterschiedliche Perspektiven gehören dazu – und genau dieser Austausch ist ein Kern von Demokratie.

Deshalb ist es so wichtig, dass auch Politikerinnen und Politiker das Gespräch suchen. Politik ist keine Einbahnstraße. Sie lebt vom Dialog. Wir als Abgeordnete hören im Idealfall den Berlinerinnen und Berlinern, aber ganz besonders den Perspektiven junger Menschen aufmerksam zu. Ihre Stimmen sind ein wichtiges Signal – gerade auch für das Parlament.

In Zeiten von Politikverdrossenheit kann uns kaum etwas Besseres passieren, als dass sich junge Menschen für Politik und Mitgestaltung begeistern. Das ist eine große Chance, die wir nutzen sollten, um den Wert unserer Demokratie sichtbar zu machen.

Dass diese Form der Bildungsarbeit wirkt, zeigt die wachsende Beteiligung von Berliner Schulen und Jugendeinrichtungen. Für viele junge Berlinerinnen und Berliner ist das eine ganz praktische Erfahrung – selbstorganisiert, offen und auf Augenhöhe.

Gerade in einer Zeit, in der wir zunehmend mit Polarisierung und Desinformation konfrontiert sind, ist dieser Austausch wichtiger denn je. Denn wir sehen: Debatten werden rauer. Positionen werden zugespitzter. Und gerade online und bei Social Media verbreiten sich vermeintlich einfache Antworten oft schneller als differenzierte Argumente.

Genau hier setzen auch die heutigen Workshops an – etwa zum Umgang mit Fake News, zur Frage der Neutralität in der politischen Bildung oder ganz praktisch mit einer Einführung in die Planung und Umsetzung eines eigenen Wahllokals. Zudem wird das Format selbst weiterentwickelt, etwa durch die Auseinandersetzung mit den Antworten von Parteien auf die Fragen von Kindern und Jugendlichen.

Es geht darum, junge Menschen in ihrer Meinungsbildung zu stärken und ihnen die notwendigen Werkzeuge an die Hand zu geben – und zugleich die Fachkräfte zu unterstützen, die diesen Prozess begleiten und ermöglichen.

Ein großes Dankeschön gilt daher allen beteiligten Schulen und Fachkräften. Ohne Ihren Einsatz wären solche Formate nicht möglich. Ihr Engagement ist ein wichtiger Beitrag für unser Gemeinwesen.

Vielen Dank!