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Blick in den Plenarsaal und hauptsächlich die Flaggen für Deutschland, Berlin und Europa
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Grußwort der Präsidentin des Abgeordnetenhauses von Berlin, Cornelia Seibeld, für das Parlamentarische Frühstück der evangelischen und katholischen Kirche in Kooperation mit Caritas und Diakonie

26.03.2026 08:00, Abgeordnetenhaus, Casino

Wir alle sind heute Teil einer Premiere. Zum ersten Mal präsentieren sich die beiden großen christlichen Konfessionen gemeinsam mit ihren Sozialverbänden den Abgeordneten dieses Hauses.

Natürlich hat es den Austausch zwischen Parlament und Kirche immer gegeben. Dafür setzen sich insbesondere der Länderbeauftragte der EKBO, Martin Vogel, und der Leiter des Katholischen Büros, Gregor Engelbreth, tatkräftig ein. Ihr Wirken geht dabei über klassische Interessenvertretung hinaus. Sie sind auch Ansprechpartner für persönliche und geistliche Anliegen der Abgeordneten. Und nicht zuletzt schaffen kirchliche Hochfeste immer wieder Räume für Begegnung und Austausch.

Herr Vogel und Herr Engelbreth, für Ihr Engagement und die sehr gute Zusammenarbeit möchte ich mich ausdrücklich bedanken!

Was uns als politischen Entscheidungsträgern oft fehlt, ist eine Übersicht der vielen Lebensbereiche, in denen die Kirchen und ihre Organisationen in unserer Stadtgesellschaft wirken. Viele der Angebote sind so verlässlich und beständig, dass sie kaum noch auffallen und als selbstverständlich gelten. Das ist das Ergebnis ihres nachhaltigen Engagements – und genau darin liegt die besondere Stärke.

Gleichzeitig richten sich unsere Blicke häufig auf neue Initiativen mit innovativen Ideen. Das ist wichtig. Aber ebenso wichtig ist das, was bereits trägt: Kirchen, Diakonie und Caritas sind fest in unserer Stadt verankert. Sie bringen Erfahrung, Verlässlichkeit und gewachsene Strukturen mit und sind ein stabiler Grundpfeiler unserer Zivilgesellschaft. Und wie so oft gilt: Fortschritt entsteht dort, wo Erfahrung und Innovation zusammenkommen.

Christliche Organisationen sind dabei bemerkenswert gut organisiert – und das zu einem großen Teil getragen vom ehrenamtlichen Engagement ihrer Mitglieder. Dieses Engagement ist Ausdruck von Verantwortung und Verbundenheit.

Und es trägt dazu bei, die Gemeinschaft in unserer Stadtgesellschaft zu stärken – eine Aufgabe, die unverzichtbar ist und die der Staat allein nicht leisten kann. Gerade auch, weil er weltanschaulich an enge rechtliche Grenzen gebunden ist.

Gerade in einer Stadt wie Berlin wird deutlich, wie groß diese Herausforderung ist. Allein im Jahr 2024 sind rund 186.000 Menschen neu zugezogen, während etwa 160.000 die Stadt verlassen haben. Wir Politiker neigen dazu, in Legislaturperioden zu denken: Wir sprechen bei fünf Jahren dann von über 1,7 Millionen Menschen, die kommen oder gehen. Eine gewaltige Zahl, die zeigt, wie dynamisch diese Stadt ist – und wie groß die Aufgabe ist, daraus Zusammenhalt entstehen zu lassen.

Genau hier leisten die Kirchen und ihre Organisationen einen wichtigen Beitrag.

Heute haben wir Abgeordnete die Gelegenheit, diese Arbeit genauer kennenzulernen. An sieben Themeninseln wird sichtbar, wie vielfältig und alltagsrelevant das Engagement ist – von „Wohnen und Existenzsicherung“ über „Bildung“ und „Arbeitsmarktintegration“ bis hin zu „Ehrenamt und gesellschaftlichem Engagement“. Und auch in Ausnahmesituationen – bei Krisen, Unfällen oder Katastrophen – sind kirchliche Angebote wie die Notfallseelsorge unverzichtbar.

Dieser Vormittag bietet uns die Chance zum direkten Austausch – und vielleicht auch dazu, bestehende Vorbehalte oder Hemmschwellen abzubauen, auf beiden Seiten.

Ich wünsche uns allen gute Gespräche, neue Einblicke und nachhaltige Verbindungen.

Vielen Dank!