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Blick in den Plenarsaal und hauptsächlich die Flaggen für Deutschland, Berlin und Europa
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Grußwort der Präsidentin des Abgeordnetenhauses von Berlin, Cornelia Seibeld, zum Aktionstag "Berlin sagt Danke"

28.11.2025 18:00, Futurium, Alexanderufer 2, 10117 Berlin

Wir treffen uns hier im Futurium – einem Ort, der zeigt, wie Natur, Mensch und Technik unsere Zukunft prägen. Der Mensch hat in der Vergangenheit wie in der Gegenwart immer als Teil einer Gemeinschaft gehandelt. Und so soll es auch in Zukunft bleiben. Deshalb darf ich als Repräsentantin unseres Berliner Parlaments, des Abgeordnetenhauses, meinen tief empfundenen Dank für Ihr Engagement zum Ausdruck bringen. Das hohe Lob, das Ihnen meine Vorredner, der Regierende Bürgermeister und der Staatssekretär, völlig zu Recht gezollt haben, zielt natürlich auf den Wert Ihres Engagements für unser Gemeinwesen ab. Doch vermutlich ist das nur selten der eigentliche Grund, aus dem Sie persönlich aktiv werden.

Die Initiative für ehrenamtliches Engagement entsteht oft aus einer Leidenschaft – sei es die Freude an Sport oder Musik oder das Bedürfnis, anderen in schwierigen Situationen zu helfen, etwa bei Naturkatastrophen oder kriegsbedingten Fluchtbewegungen. Ganz gleich, ob Sie sich im Sport engagieren, im Chor singen, Geflüchteten nach dem russischen Angriff auf die Ukraine ein Dach über dem Kopf vermittelt haben oder einen Fahrdienst für Rollstuhlfahrer übernehmen: Ihr Engagement hat viele Formen und ist von unschätzbarem Wert.

Und bei all diesen unterschiedlichen Aufgaben steht eines immer im Mittelpunkt: die Freude am eigenen Tun – und der Wunsch, unsere Stadt ein Stück besser zu machen. Diese Freude speist sich aus selbstbestimmtem und eigenverantwortlichem Handeln – aus dem Gefühl, gestalten zu können. Wir erleben uns als handelnde Personen und nicht nur als Getriebene äußerer Umstände. Wir sprechen von Selbstermächtigung und Selbstwirksamkeit – davon, die eigenen Stärken, Fähigkeiten und Ressourcen für selbstbestimmte Entscheidungen einzusetzen und die eigenen Überzeugungen wirksam zu machen. Wie man es auch bezeichnen mag, dieses Bestreben ist nicht neu. Religionsgemeinschaften, Gewerkschaften, Wohlfahrtsverbände und Genossenschaften haben schon früh nach einem eigenen Gestaltungsbereich gestrebt – nach Autonomie und Hilfe zur Selbsthilfe. Kleine Einheiten vor Ort können oft schneller handeln und Probleme besser lösen als große, übergeordnete Organisationen. Für unseren Staat und sein Verhältnis zu solchen Strukturen bedeutet das: Die leistungsfähigen kleineren Einheiten haben einen Handlungsvorrang, während die übergeordneten Ebenen eine Einstands- und Unterstützungspflicht tragen. Dieses Prinzip nennen wir „Subsidiaritätsprinzip“.

Soweit zur Theorie. In der Praxis gehört jedoch auch dazu: Staatliche Institutionen tun sich nicht immer leicht damit, Ihnen – den Bürgerinnen und Bürgern – etwas zuzutrauen und Sie einfach handeln zu lassen. Wir alle kennen die Tendenz, schnell mit Regeln, Verboten oder Geboten einzugreifen. Und ich sage das als Vertreterin der Gesetzgebung ganz selbstkritisch: Mit immer mehr Vorschriften und Bürokratie stärken wir die Eigeninitiative nicht – im Gegenteil, wir bremsen sie eher aus.

Vereinsvorstände kennen das nur zu gut: Oft ist man mit Haftungsfragen und einer sauberen Buchhaltung mehr beschäftigt als mit dem eigentlichen Vereinszweck. Natürlich müssen Gemeinnützigkeit und Spendenabzugsfähigkeit ordentlich und nachvollziehbar geführt werden, damit sie auch vor dem Finanzamt Bestand haben. Ohne solche Strukturen entsteht schnell der Eindruck möglicher Unregelmäßigkeiten – und das hilft niemandem. Förderanträge für öffentliche Gelder sind ein eigenes Thema und erfordern eine klare Rechenschaft über die Verwendung von Steuergeldern. Doch staatliche Mittel bedeuten auch Abhängigkeit von Politik und Verwaltung. Wer unabhängig bleiben möchte – wie zum Beispiel die Berliner Tafel e. V. – verzichtet daher bewusst darauf. Worauf es wirklich ankommt, ist dies: Mit Ihrem Engagement bringen Sie Menschen zusammen – oftmals Menschen ganz unterschiedlicher Herkunft, Ausbildung oder beruflicher Erfahrung. Aber sie begegnen einander immer aus einem konkreten Anlass – und im direkten persönlichen Austausch. Es ist nicht nur der gute Zweck, sondern auch der Austausch untereinander, ja sogar der gepflegte Streit, der unser Land und unsere Demokratie weiterbringt. Im besten Fall entsteht daraus Verständnis – und sogar Zusammenhalt.

Ich wünsche Ihnen allen für die Zukunft, dass Sie Ihre Motivation, Ihre Kraft und Ihre Freude an diesem wichtigen Einsatz bewahren – und dass Sie dafür die Anerkennung und den Zuspruch erhalten, den Sie verdienen. Es bleibt wahr, was Erich Kästner so treffend formuliert hat:

„Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.“

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.