Grußwort der Präsidentin des Abgeordnetenhauses von Berlin, Cornelia Seibeld, zum Empfang der Helferinnen und Helfer nach dem Stromausfall in Steglitz-Zehlendorf
14.01.2026 17:00, Abgeordnetenhaus, Casino
Am Samstag, den 03. Januar, wachten viele Menschen im Südwesten unserer Stadt Berlin auf und wunderten sich. Das Licht ließ sich nicht anschalten. Der Wasserkocher sprang nicht an. Und beim Blick auf die Straße war alles dunkel, kein Licht war im Fenster eines anderen Gebäudes zu sehen. Über hunderttausend Menschen in weiten Gebieten des Bezirks Steglitz-Zehlendorf dachten, sie seien im falschen Film. Einige wähnten sich in einem Alptraum. Besonders hart traf die Situation diejenigen, die zum Beispiel gesundheitlich auf Sauerstoffkonzentratoren angewiesen sind.
Gehbehinderte Menschen, die sich ohne Aufzug abgeschnitten fühlen, weil ihre Wohnung sich im 20. Stockwerk eines Hochhauses in der Thermometer-Siedlung befindet. Menschen, deren Notknopf genauso wenig wie Handys oder das Festnetz funktioniert. Dieser Alptraum sollte für viele Einwohner besonders in Zehlendorf knapp fünf Tage andauern.
Gerade Kälte, die in einem langsam auskühlenden Haus immer mehr zunimmt, zermürbt. Dazu kamen die Sorgen, welche weiteren Schäden entstehen könnten, wenn Wasserleitungen einfrieren. Oder die Angst, wer sich die Dunkelheit und ausgefallene Alarmanlagen zunutze machen könnte, um verlassene Häuser zu plündern. Diese Situation traf die Menschen unvermittelt und unvorbereitet.
Es war eine Katastrophe.
Es war aber keine Naturkatastrophe.
Es war ein linksextremistischer Terroranschlag.
Es war eine geplante Gewalttat, die Furcht und Schrecken in der Bevölkerung verbreiten sollte und deren Urheber erklärten, sowohl die Regierenden als auch die Gesellschaft zur Abkehr von fossiler Energienutzung und kapitalistischem Gewinnstreben bewegen zu wollen. Die Urheber, die Terroristen, haben mit dem Brandanschlag auf die Kabelbrücke nicht das erste Mal zugeschlagen. Allein in den letzten 10 Monaten waren es drei Anschläge auf die Stromversorgung in Berlin und seiner Umgebung. Dabei wurde unter anderem der Betrieb des Tesla-Werkes lahmgelegt. Auch dieses Mal wurden über 2.000 Gewerbebetriebe getroffen. Das traf natürlich besonders Supermärkte, die nicht mehr öffnen konnten, deren Lebensmittel mit Kühlungsbedarf zu verderben drohten.
Ebenso betroffen waren Apotheken, die bestimmte Medikamente nur in speziellen Kühlvorrichtungen aufbewahren dürfen, sowie all jene, deren Dienste für dringend notwendige Reparaturen gebraucht wurden. Es ist mehr als zynisch, dass die Attentäter in ihrer linksextremen Verblendung für sich in Anspruch nehmen, „gemeinwohlorientiert“ gehandelt zu haben. Ein besonders bedrückendes Beispiel für die Menschenverachtung, die aus den Handlungen der Terroristen folgt, zeigt sich in der notwendigen Evakuierung des Diakonie-Hospizes in Wannsee. 13 todkranke Bewohner mussten in das Immanuel-Krankenhaus verlegt und später wieder zurückgebracht werden.
Die Freiwilligen der evangelischen Emmaus-Gemeinde haben es auf sich genommen, im Katastrophengebiet an vielen Türen zu klopfen, um Menschen mit Wärmflaschen und Hilfspaketen zu unterstützen. Der Einsatz von Nachbarn war essenziell. Es gab von Anfang an viel Hilfe zur Selbsthilfe. Die gegenseitige Unterstützung in den Wohnhäusern – mit Kerzen und Taschenlampen, mit batteriebetriebenen Radios, mit Lebensmitteln und Decken und nicht zuletzt mit persönlichem Zuspruch – war beeindruckend. Auch die Solidarität und das Mitgefühl in den an das Blackout-Gebiet angrenzenden Stadtteilen waren sehr groß. Läden und Restaurants waren voller Steckdosenverteiler und wurden zu Informationszentren.
Zum Glück haben wir Institutionen und Organisationen, die auf solche Lagen vorbereitet sind. Die Professionalität von Feuerwehr, Polizei, THW, Deutschem Roten Kreuz und der Bundeswehr steht beispielhaft für alle Blaulicht- und Hilfsorganisationen. Unter diesen bedrückenden Umständen habe ich bei meinen vielen Besuchen vor Ort Ihre Arbeit mit großer Dankbarkeit wahrgenommen. Dass wir vergleichsweise glimpflich davongekommen sind, ist vor allem Ihr Verdienst.
Ganz herzlichen Dank dafür! Natürlich haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bezirksamtes Steglitz-Zehlendorf und der Senatsverwaltungen durch ihren unermüdlichen Einsatz ihren Teil dazu beigetragen. Besonders erfreulich war die tatkräftige Unterstützung aus unseren Nachbargemeinden Kleinmachnow und Teltow. Bis zur Wiederkehr des Stroms ließen Teltow und Kleinmachnow in ihrer Unterstützung nicht nach.
Aus der Zivilgesellschaft gibt es unzählige Hilfsangebote zu berichten. Hervorheben möchte ich heute insbesondere die Kirchengemeinden am Rand des Krisengebietes, die Unterkunft, Wärme und Verpflegung angeboten haben. Das war nur möglich, weil viele Freiwillige spontan eingesprungen sind. Ähnliches gilt für die Sportvereine – ich nenne hier beispielhaft Z88 und den BHC –, die ihre Vereinsheime geöffnet und Betreuungsangebote gemacht haben.
Wir alle sind daran gewöhnt, dass unser Stromnetz sehr zuverlässig funktioniert. Stromnetz Berlin stand vor einer enormen Herausforderung. Sie fanden durch entschlossenes Handeln und große Improvisationskunst in erstaunlich kurzer Zeit die richtigen Lösungen. Es ist heute nicht Zeit und Ort für eine abschließende Auswertung aller Vorgänge. Ja, wir sind vergleichsweise glimpflich davongekommen. Aber was wäre gewesen, wenn zeitgleich an anderer Stelle unserer Stadt ein ebenso großer Stromausfall eingetreten wäre? Wie viele ungeschützte Stellen gibt es noch in unserem Stromnetz? Müssen wir solche Schwachstellen auch noch öffentlich im Internet präsentieren? Wie viel zusätzliche Redundanz ist notwendig – und mit welchem Aufwand?
Und wie kann die Bevölkerung besser vorbereitet werden? Nicht alles ist gut gelaufen. Es wurden Fehler gemacht und Versäumnisse sind deutlich geworden. Hier im Abgeordnetenhaus, im Senat und in den Bezirken werden wir uns damit auseinandersetzen müssen.
Der heutige Empfang im Abgeordnetenhaus kann nur ein kleines Dankeschön sein für all das, was Sie und Ihre Kolleginnen und Kollegen geleistet haben. Auf Ihre Kompetenzen, Ihren Einsatz und Ihr dauerhaftes Engagement sind Berlin und seine Bürgerinnen und Bürger dringend angewiesen. Nutzen Sie bitte auch die Möglichkeit insbesondere uns Abgeordnete mit Hinweisen zu versorgen, wo wir uns gemeinsam verbessern müssen.
Nochmals an Sie alle: Ein herzliches Dankeschön!