Grußwort der Präsidentin des Abgeordnetenhauses von Berlin, Cornelia Seibeld, anlässlich des Landesfinale „Jugend debattiert Berlin 2026"
13.03.2026 11:00, Plenarsaal
Zunächst einmal gratuliere ich den Organisatorinnen und Organisatoren ganz herzlich: „Jugend debattiert“ feiert in diesem Jahr sein 25-jähriges Jubiläum.
Liebe Schülerinnen und Schüler, 25 Jahre – das klingt für Euch vermutlich wie eine halbe Ewigkeit. Länger als Ihr selbst alt seid. Und doch seid Ihr heute Teil dieser Geschichte.
Ihr steht in einer langen Reihe junger Menschen, die genauso wie Ihr Freude am Recherchieren, Argumentieren und Überzeugen hatten. Ein Wettbewerb, der so lange besteht, lebt von starken Wurzeln – und von Menschen, die ihn immer wieder neu mit Leben füllen. Dass sich sogar viele Ehemalige im Alumni Verein weiter engagieren, zeigt, wie prägend diese Erfahrung ist.
Ein großes Dankeschön gilt auch Euren Schulen und Lehrkräften. Sie haben mit Euch geübt, diskutiert, vorbereitet – und Euch ermutigt, heute hier im Landesfinale Berlin 2026 anzutreten.
Ich finde: Das ist einen kräftigen Applaus wert!
Wir sind hier im Plenarsaal des Abgeordnetenhauses von Berlin. Hier wird gestritten, gerungen, entschieden. Am Ende stehen oft Gesetze. Ihr seid herzlich eingeladen, einmal eine Plenarsitzung live zu besuchen oder den Livestream zu verfolgen. Dann könnt Ihr erleben, wie leidenschaftlich hier Positionen aufeinandertreffen.
Wie bei Euch gilt auch hier: Es gibt klare Regeln. Sie sorgen dafür, dass der Streit fair bleibt. In der Sache kann es hart zugehen, aber die Regeln schützen den Respekt.
Und genau darum geht es: Nicht darum, dass sich alle einig sind. Wenn alle einer Meinung sind, braucht man keine Debatte.
Streit gehört zur Demokratie. Unterschiedliche Interessen, unterschiedliche Sichtweisen – das ist normal. Demokratie lebt davon, dass wir diese Unterschiede offen austragen.
Dazu gehört zweierlei: Erstens der Wille, Kompromisse zu finden. Und zweitens die Fähigkeit, es auszuhalten, wenn man überstimmt wird.
Diese Idee ist übrigens uralt. Schon vor rund 2.400 Jahren diskutierten Bürger in den griechischen Stadtstaaten auf Versammlungen über das, was ihre Stadt betraf. Politik war das, was alle anging.
Aber auch dort gab es ein Problem, das wir bis heute kennen: den Demagogen.
Schon damals gab es Redner, die nicht mit guten Argumenten überzeugen Übertreibungen, mit wollten, Angst, sondern mit mit gezielten Falschbehauptungen. Sie spielten mit Emotionen, statt fair zu argumentieren.
Und ganz ehrlich: Dieses Phänomen ist nicht verschwunden. Heute erleben wir solche Formen der Manipulation oft online. In sozialen Netzwerken verbreiten sich zugespitzte Aussagen schneller als differenzierte Argumente.
Empörung bringt mehr Aufmerksamkeit als Sachlichkeit. Wer laut ist, bekommt Reichweite. Wer sorgfältig abwägt, geht manchmal unter. Umso wichtiger ist es, dass Ihr hier etwas anderes lernt. Ihr lernt, Argumente zu prüfen. Ihr lernt, die Position der Gegenseite ernst zu nehmen. Ihr lernt, fair zu bleiben – auch wenn Ihr anderer Meinung seid.
Das ist das genaue Gegenteil von Demagogie. Und genau das braucht unsere Demokratie. Denn wie wir streiten, entscheidet darüber, wie wir zusammenleben. Was Ihr hier übt, ist weit mehr als ein Wettbewerb. Ihr trainiert Fähigkeiten, die unsere Gesellschaft dringend braucht – im Parlament, in der Schule, im Beruf, online und offline.
Ich freue mich deshalb sehr auf die heutigen Debatten. Euer Einsatz, Eure Vorbereitung und Eure Begeisterung sind ein Gewinn für unser Gemeinwesen.
Bei aller Ernsthaftigkeit wünsche ich Euch spannende Argumente, faire Entscheidungen – und auch Freude an der Debatte.
Vielen Dank – und viel Erfolg!