Rede der Präsidentin des Abgeordnetenhauses von Berlin, Cornelia Seibeld, zur Ausstellungseröffnung des Jugendorums denk!mal 2026
26.01.2026 17:00, Abgeordnetenhaus, Wandelhalle
Das ist ein Anblick, den ich gerne öfter hier im Haus genießen würde. 24 Projekte und insgesamt ca. 200 beteiligte Kinder und Jugendliche sind heute ins Abgeordnetenhaus gekommen, um der Opfer des Nationalsozialismus zu gedenken. Herzlich willkommen in eurem Landesparlament!
Ich bin immer wieder stolz, wenn ich so großes Engagement in unserer Gesellschaft sehe. Besonders am Vorabend des Holocaust-Gedenktages. Und wenn sich dann auch noch junge Berlinerinnen und Berliner – wie ihr – so klar für Demokratie, Freiheit und Rechtstaat einsetzen, gibt mir das Hoffnung. Das ist ein starkes Zeichen dafür, dass ihr Interesse daran habt, unsere gemeinsame Zukunft aktiv mitzugestalten. Antisemitismus, Diskriminierung und Ausgrenzung sind leider Alltag – im Netz ebenso wie auf der Straße. Umso wichtiger ist es, Erinnerung und Gedenken sichtbar zu machen. Rund um den 27. Januar, den Tag der Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz, gedenken wir mit denk!mal der Opfer des Nationalsozialismus.
Das ist keine reine Angelegenheit der Vergangenheit, auch wenn das dunkelste Kapitel unserer deutschen Geschichte inzwischen 80 Jahre zurückliegt. Erinnerung ist eine Frage der Haltung! Und genau diese Haltung zeigt ihr mit euren Projekten. Ganz gleich, ob ihr Biografien und Schulgeschichten recherchiert habt, handwerklich tätig wart, Podcasts, Videos oder sogar Musicals produziert oder Gedichte geschrieben habt.
Mit eurem Engagement beim Jugendforum denk!mal tretet ihr in einen Dialog ein. Über das, was war und niemals wieder geschehen darf – und über das, was ihr euch für die Zukunft wünscht. Die Ausstellung sprüht vor Kreativität, und ich freue mich darauf, später von euch persönlich mehr über eure Ideen und Erfahrungen zu erfahren. Eines steht für mich jetzt schon fest: Unabhängig davon, welche Projekte heute ausgezeichnet werden – ihr alle habt euch mit Herz, Ernsthaftigkeit und Verantwortung eingebracht. Dafür danke ich euch sehr.
Bevor wir nun richtig in den Abend starten, ist mir noch etwas besonders wichtig. Heute ist Ruth Winkelmann bei uns – Holocaust-Überlebende und eine der letzten Zeitzeuginnen. Diese Begegnung ist etwas ganz Besonderes. Liebe Frau Winkelmann, Sie haben im vergangenen Jahr in einem Interview mit der Jüdischen Allgemeinen über Ihre Arbeit an Schulen gesagt: „Ich begreife das als meine Aufgabe: Es ist das, was ich dem Leben wiedergeben möchte, weil ich überlebt habe.“
Ich weiß es sehr zu schätzen, dass Sie heute wie auch in den letzten Jahren hier sind und Ihre Geschichte und Ihr Wissen mit uns teilen. Und ich hoffe, dass auch wir Ihnen etwas zurückgeben können: den Glauben daran, dass Ihr Einsatz wirkt – und dass Erinnerung Zukunft hat. Ich wünsche uns allen einen eindrucksvollen Abend.
Vielen Dank.